Punjab

ALLGEMEINE INFOS ÜBER DEN SIKHISMUS

  • Der Name Punjab (auch: Panjab) ist persisch: (پنجاب, von پنج (fünf) und آب (Wasser) =„fünf Wasser“. Die 5 großen Flüsse im Land.
  • Punjabi ist Muttersprache von 130 Mio. Menschen weltweit
  • Guru = Vorbild, Sikh = Schüler
  • Zu Zeiten vor dem Internet wurde die Zeitung Punjabi Times in Deutschland wöchentlich etwa 400 mal verkauft.
  • Feiertage: Die meisten Sikhs nutzen den Nanakshahi -Kalender(Punjab: ਨਾਨਕਸ਼ਾਹੀ, nānakashāhī), benannt nach dem Geburtstag des ersten Guru Nanak Dev. Sonnenkalender, Zeitrechnung am 01. 04.1469, Feiertage können von Jahr zu Jahr variieren.
  • Etwa 14. April Geburt vom ersten Guru
  • Etwa 05.Januar Geburt vom zehnten Guru
  • 13./14 April.1699 Vasakhi (Gründung der Khalsaarmee)
  • Als Ausdruck von Geschwisterlichkeit tragen Sikh-Männer den gemeinsamen Nachnamen Singh (Löwe), Frauen heißen mit Nachnamen Kaur (Prinzessin). Die Verwendung der gleichen Namen soll einen Kontrapunkt zu der in Indien verbreiteten sozialen Hierarchisierung entlang der Nachnamen darstellen. Sikhs haben kein Kastensystem. Alle Menschen sind gleich

„Vom Sikh zum Khalsa“

Herr Singhs Beitrag zum Interreligiösen Köln

„Zufriedenheit ohne Materie? Wofür sind wir überhaupt auf dieser Welt?“ Eigentlich ganz normale Fragen, die jeden irgendwann bewegen müssen. Sukhjinder Singh allerdings nahm sich mehr als ein Jahr Zeit diese Frage bewusst zu konfrontieren. Der in Nordindien geborene Sikh ist in Köln aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seit mehr als 20 Jahren gehört seiner Familie der indische Supermarkt „Asien Basar Singh“ im Kern von Little India. Mit seinem Bruder führte er den Nachtclub Nox auf dem Hohenzollernring und die beiden ließen kräftige Bollywoodparties mit live Dhol-Trommeln und Buffet steigen. Wenn Bollywoods Filmprämieren anstehen, machen sie das Catering für das indische junge Volk, das rausgeputzt im Filmhaus NRW oder im ehemaligen British Council an der Hahnenstrasse Schlange steht. Später kam der „Prince Beauty Shop“ dazu, dann wurde es ihm zu bunt hinter der Ladentheke. Seit vielen Jahren steht er hier. Außerdem war der Schüler (Bhai Gursewak Singh) von Saadhu Bhai Sahib Bhai Sewa Singh Tarmala plötzlich im Laden und beeindruckte ihn bei zahlreichen nachfolgenden Gesprächen. Sikh heißt Schüler und sollte jeder von uns nicht lebenslang ein Schüler sein? Man erstrebt einen glücklicheren Zustand. Doch wie definiert sich Glück? Wo komme ich her, wo gehe ich hin? Vom Sikh zum Khalsa! Khalsa ist ein Reiner, hingebungsvoll Liebender. Die Religion der Sikh hinterfragte immer schon das materielle Wertesystem und Sukhjinder Singh hatte schon eine erste Ahnung davon bekommen, was das heißt. Er entschloss sich ein ganzes Jahr zur Ausbildung in die Universität der göttlichen Lehre, der „University of divine studies“ nach Indien zu begeben. Ein krasser Schritt für den dreifachen Familienvater. Zunächst steht ein Monat zur Probe an. Hat er Geduld soviel zu meditieren und kann er mit den neuen Eindrücken richtig umgehen?

Ein Jahr Meditation

Abflug in 4 Stunden. Er hat sich von Bruder und Mutter verabschiedet, Der Bruder wird das Geschäft in seiner Abwesenheit führen. Der Vater bringt ihn und seinen kleinen Rollkoffer zum ICE. Die Familie soll ihn nur im äußersten Notfall anrufen und in seiner Meditation stören, tun könne er dort sowieso nichts für sie. Ein flüchtiger Abschied, in 4 Wochen werden wir Sukhjinder Singh wiedersehen.

Vier Wochen später: Er sieht das Leben mit ganz anderen Augen. Nach vier Wochen wollte er nicht mehr wiederkehren und der Beschluss stand, bald für ein Jahr zu dem langen Meditationskurs zu gehen. Das war 2012, er hat es durchgezogen, nun steht er nach einem Jahr strenger Meditation und Fokussierung auf immaterielle Werte wieder im Laden. Er hat sich von vielen materiellen Zwängen befreit. Im Hintergrund läuft nun schon seit Jahren das Mantra Gurmantars: „Waheguru“. Soviel hat sich nicht verändert, oder nehmen wir es nur nicht wahr? Die Ladentheke gleicht nun manchmal einer Kanzel, wenn Deutsche oder indisch-stämmige sich vor ihm im Gespräch über Gott und die Welt zu einem spontanen spirituellen Crashkurs zusammenfinden. Das Wohlgefühl danach, die hohe Zufriedenheit ohne materielle Dinge, ist das Thema, das Sukhjinder Singh heute mit uns in Köln teilen möchte. Es ist sein Ansporn, das Streben nach Gelassenheit, dem größten imateriellen Glück. Und das Geschäft bleibt Nebensache.
Gut sortiert gibt es hier jedoch neben spirituellen Crashkursen auch indische Kosmetik, Lebensmittel, Filme, Veranstaltungstipps und warme Samosa.

Asien Basar: Fleischmengergasse 31, 50676 Köln
Prince Beauty Shop, Fleischmengergasse 37, 50676 Köln

University of Divine Studies, Gurdwara Prabh Milne Ka Chao, near Bughipura Chownk, Rauli Link Rd, Rauli, Punjab 142001, Indien

„Geschichte des Sikhismus“

Für Herrn Singh sind Religionen doch nur Werkzeuge um die Menschen zu trennen und zu beherrschen und Sikhismus ist keine Religion, sondern eine Haltung. Die Sikh-Religion orientiert sich nicht an der Einhaltung religiöser Dogmen, sondern hat das Ziel, religiöse Weisheit für den Alltag nutzbar zu machen. Guru Nanak wird 1469 unserer Zeitrechnung im heutigen Pakistan geboren, entwickelt früh eine distanzierte Sicht zu den etablierten Religionen und predigt auf seinen Reisen durch Afghanistan und den heutigen Irak bis nach Mekka. Er ist der erste Guru, der Begründer der Sikhs. Das Werk von Guru Nanak sowie seinen neun nachfolgenden Gurus ist das heiligen Buch „Guru Granth Sahib“. Darin ist das Verständnis überliefert, über traditionelle religiöse Vorstellungen der Zeit hinauszugehen. Das Buch ist im Original in poetischer Reimform, basiert auf Raga-Melodien, und verwendet verschiedene Sprachen des indischen Subkontinents.

Bis Anfang des 16. Jh. entwickelten sich die Sikhs zu einer religiösen und politischen Macht in Nordindien und bilden den souveränen Staat Punjab. Sie hinterfragten die traditionellen Regeln, lehnten das Kastenwesen ab und prägten sogar ihre eigenen Münzen. Der 5te Guru war bereit Steuern an den Mogul zu zahlen aber wollte die Tributforderungen an sein Volk nicht akzeptieren, woraufhin er abgeführt und gefoltert wurde und zuletzt auf mystische Weise im Fluss verschwand. Es kam zum Krieg gegen Indien und gegen die Engländer. Auch der 9te Guru hat sein Leben für die Unterdrückung der Hindus geopfert. Nach dem „Zweiten Sikhkrieg“ 1849 wurde Punjab vom Britischen Reich annektiert, der Konflikt dadurch aber nicht aus dem Weg geräumt. Die Militäraktionen 1919 und 1984 haben sogar den Goldenen Tempel in Amritsar zum Ziel. Im Verlauf der Postkolonialen Geschichte Indiens kommt es immer wieder zu politischen und gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der Indischen Regierung und den nach mehr Autonomie strebenden Minderheiten – auch der Sikhs. Nach der Ermordung der indischen Präsidentin Indira Gandhis durch ihre Leibwächter kam es 1984 zu Pogromen gegen die Sikhs, der politische Opportunismus richtete sich gegen die gesamte Bevölkerungsgruppe und führte zum grausamen Tod von bisher ungezählten Anhängern des Sikhismus.

Gurdwara

Ein Gurdwara ist der Tempel der Sikh. Köln hat derzeit insgesamt drei Gurdwara in Kalk und Mühlheim. Wir sind stolz auf eine Kölner Besonderheit, die es in Indien nicht geben würde: im Hindutempel der Afghanen in Rath Heumar ist auch eine Gebetsstätte, der Altar mit dem heiligen Buch der Sikhs „Guru Granth Sahib“..

Wer ein Gurdwara betreten möchte ist immer willkommen. Eigentlich gibt es jeden Tag sogar Essen für alle (Bedürftigen). In Rath Heumar gab es immer einen Apfel. Wer nicht von einem Ortskundigen empfangen und eingewiesen wird, sollte vor dem Gebetssaal Ausschau nach Kopfbedeckungen halten, dieses einfache Dreieckstuch aufsetzen, das Heiligste respektvoll und leise betreten, sich vor dem heiligen Buch verbeugen, etwas in die Spendenbox werfen und sich im Schneidersitz auf den Boden setzen, um dann in Ruhe zu meditieren und den Gedanken eine Auszeit geben.

Gurdwaras in Köln: Gurdwara Sri Dasmesh Singh Sabha, Kalk-Mülheimerstr. 299 (zwischen Eisenbahn und Best Western Hotel) 51065 Köln, Gurdwara Tegh Bahadur Sahib, Bennoplatz 2, 51103 Köln

Der Turban der Sikhs heisst Dastar und ist ein religiöses Symbol, das die langen Haare der Männer bedeckt. Das Tragen des Turbans hat vielfach interpretierte Regeln. In England, wo die meisten Sikhs Europas leben, unterliegen Sikhs mit Turban nicht der Helmpflicht, in Iserlohn und in Freiburg fahren auch Sikhs mit Turban und einer Sondergenehmigung legal ohne Helm Motorrad.

Der Sikh-Verband-Deutschland wurde in Köln gegründet und betreibt Aufklärung- und Hobbyarbeit im deutschsprachigen Raum
www.SikhVerband.de
www.youtube.de/SikhVerband

Vidya Banakar

Wer fremde Kulturen kennenlernen will,
braucht sich längst nicht mehr stundenlang in ein Flugzeug zu setzen“,

„In Köln leben Menschen aus 180 verschiedenen Ländern.
Man muss nur mit ihnen reden.“
– Thomas Bönig –

Touren in Köln

Das indische Köln mit Vidya Banakar

Bei der interkulturellen Wanderung erfahren wir mehr über die Menschen, deren vielseitigen Religionen und Gebräuche, die Lieferzeiten der frischen Mangos, das Neueste aus Bollywood, den Gebrauch von Curry, Turban und Sari. Die aus dem südindischen Bundesstaat Karnataka stammende Vidya Banakar führt uns durch die Läden und Institutionen indischen Lebens in Köln. Die südindische Reiseleiterin kennt die Persönlichkeiten, gibt gerne Hilfestellungen bei Kochkunst und Sprachproblemen und scheut sich nicht, musikalische Beiträge an der Tampura zu begleiten. Ein Konzert der indische Musikakademie Anubhab rundet die kleine Indienreise ab.

Ethnofood: Indischer Kochkurs mit Vidya Banakar in Köln und Bonn

Sie sind längst Stammgast im indischen Restaurant ihres Vertrauens und wollen nicht länger nur passiv die exotischen Speisen genießen? Pakora mit Gruß aus der Küche, Chole, Jeera Reis, Dhal und weitere proteinhaltige raffinierte Gerichte zaubern wir auf den Tisch. Dabei zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Ihnen die leckersten indischen Gerichte auch in den eigenen vier Wänden gelingen. Am Ende wird das mehrgängige Mahl gemeinsam genossen.

Ethnofood: Kulinarische Weltreise deluxe mit Thomas Bönig

Die Esskultur ist in vielen Ländern der Welt wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens. Das soziale Leben findet rund ums Essen statt. Was könnte es daher besseres geben, als eine „kulinarische Weltreise“ um andere Sitten und Bräuche kennen zu lernen? Erforschen Sie die vielfältige Welt der exotischen Küchen in mindestens drei Gängen – Sie bringen lediglich Appetit und Experimentierfreude mit. Auf dieser Route vom Neumarkt in die Altstadt testen wir vietnamesische Klosterküche und aphrodisierende Nüsse aus Ghana, wir grillen und backen am Tandoori-Ofen selbst, und lernen bei einer Degustation erstaunliches über die Wirkung von mexikanischen Mezkal direkt aus dem Fass.

Auch bei Spezial-Touren kommen wir nach Indien: Radtour Interreligiös, Radtour Weltreise, Radtour Indien ( auf Anfrage). Bei der Weltreise in Köln und Bonn kommen wir natürlich zu den indischen Ecken und Viertel. Die akustischen Reiseleiter der Musikalische Weltreise sind Deepy und Genny, die indischen Dhol-Trommler.

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