Musik

„Im Sommer ist die Stimmung am Rathenauplatz wie in einem Park in Kalkutta“

Zu Besuch in der Musikakademie von Debasish Bhattacharjee

Wenn die Tampura zu schwingen beginnt und die Sita gezupft wird, die Tablas uns weitertreiben und eine herzzerreißende Stimme Dich zum Heulen bringt, obwohl Du kein Wort Bengali verstehst, bist Du im Haus Anubhab gelandet, der indischen Musikakademie aus Kalkutta in Köln.

Debasish Bhattacharjee

Debasish Bhattacharjee, der musikalische Leiter, hat zunächst in Kalkutta eine Musikakademie aufgebaut. Auf Konzertreisen kam er immer wieder nach Deutschland und bald hatte sich in Köln eine Fangemeinde entwickelt, die ihn ins schöne Rheinland kommen ließ, wenn er auch nur im Transfer am Frankfurter Flughafen etwas Zeit hatte. Zu dem festen Stamm seiner Förderer und Freunde gehört der Besitzer des opulenten indischen Restaurants Jaipur am Hauptbahnhof, der ihm immer wieder Auftritte organisierte, sowie Herr Wadwa, der Besitzer von Akash Bazaar, bei dem er in der Regel wohnte, bis Debasish fest nach Köln kam.

Shekab Wadwa, der Sohn des Hauses war der erste Kölner Schüler Debasishs und ist heute mit seinen Tablas auf großen Bühnen international gefragt.

Debasishs Schicksal und das der indischen Musikkultur in Köln ist aber auch eng verbunden mit Conny Rave, dem blonden, rheinländischen Herz der Akademie. Zunächst ist sie Schülerin an der Tampura, später kommt Organisation und Management der Schule und des Ensembles dazu. Nach dem Umzug der Akademie ins „Haus Anubhab“ gründet sie eine Hausgemeinschaft mit den indischen Musikern, macht den Fahrdienst für alle Auftritte und sitzt sogar hier und da mal mit Instrument auf der Bühne.

Die Anubhab Academy lädt im dreimonatigen Wechsel Gastmusiker ein, die schon im bengalischen Pendant die Meisterschule bestanden haben oder auch dort unterrichten. Nach indischem Wertesystem sind es renommierte Namen, denn die Musiker stammen allesamt aus traditionsreichen Musikerfamilien, bei der Vorstellung erwähnen Sie jeweils seit welcher Generation in ihrer Familie das Instrument als Lebensmittelpunkt gesehen wird. Deutschland gibt den Lehrern jeweils drei Monate Visum, daher kommt der ständige, kostenaufwendige Wechsel, der auch ständig neue Motivation aus Indien mit nach Köln bringt.
Die Kurse Tabla, Harmonium, Sitar, Tambura, Dhol und Gesang sowie indischer Tanz werden hier durchgehend angeboten. Im Veranstaltungsraum, der neben der Bühne etwa 40 Gäste fasst, finden regelmäßig hochklassige Konzerte statt. Die Schüler sind hier viele Inder, Afghanen und Deutsche. Debasish hat die Erfahrung gemacht, dass man ganz vorne anfangen muss, um den Europäern wirklich etwas von indischer Musik beizubringen. Das indische Musiksystem basiert nicht auf der uns bekannten Harmonielehre sondern wie beispielsweise die Tabla, auf einer jeweils eigenen Sprache, der Bol – Sprechsilben. „Dha titi kite dha ge na tun na dha ti dha ge dhin na ge na“

Raga

In Indien verlaufen die Musikstücke nicht mit dem in Europa klassischen Aufbau. Ragas sind atmosphärische Einheiten, innerhalb derer sich die Spieler durch eine gemeinsame Stimmung und harmonisierende, melodische Tonskalen bewegen. Es wird improvisiert – nach festen Regeln! Die Spieler treiben sich gegenseitig durch den Raga.

„Es war schwierig die Europäer und Amerikaner bei der Stange zu halten, ich habe erst mit der Zeit gelernt wie ich indische Musik den Nichtindern beibringen kann. Wir nutzen zunächst einen Umweg mit einem Nummernsystem, später kommt die indische Tablasprache dazu. Ich selbst habe meinem ersten Tablalehrer erst vier Monate zugehört, bis ich zum ersten Mal das Instrument ergriff.“ Debasish Bhattacharjee

Indische Musikakademie „Haus Anubhab“, Vogelsanger Str.352,50827 Köln, www.anubhab.net
Debasish Bhattacharjee wurde schon im Kölnischen Stadtmuseum ein digitales Denkmal gesetzt. Sein Audioguide durch die Geschichte Kölns kann am Eingang entliehen werden.
Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstrasse 1, 50667 Köln

Indische Instrumente, das Kölner Spektrum

Zur Sitar muss „hier im Westen“ seit Ravi Shankar und dem Beatles Ausflug zu transzendenter Musik keinem im Westen mehr etwas erklärt werden. Vielleicht das noch: das Zupfinstrument hat einen Klangkörper aus Kürbis und einen langen Hals. Aber was haben wir darüber hinaus im Kölner Programm?

Daud Khan Sadozai: Rabab

In ganz Afghanistan war und ist die afghanische Rabab eines der dominanten Melodieinstrumente. Dies mag damit zu tun haben, dass die musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Instrumentes so vielseitig sind und es mit seinem eindringlichen Klang den Zuhörer rasch in seinen Bann zieht.

Die Rabab wird zu allen feierlichen Anlässen gespielt, es ist ein Hauptinstrument der afghanischen Folklore und hat auch in der spirituellen Musik der Sufis stets eine zentrale Rolle gespielt.
Solistisch und als klassisches Musikinstrument gelangte die Rabab in unserer Zeit vor allem durch den berühmten Rababinterpreten Ustad Muhammad Umar zu hohem Ansehen. Ihre Beliebtheit ließ die afghanische Rabab nicht in Afghanistan verweilen. Instrumente mit dem Namen Rabab sind weit im Orient verbreitet. In den Händen einer afghanischen Familie namens Bangesh, die Pferdehandel betrieben und auch Rababspieler waren, gelangte das Instrument an die Höfe Nordindiens. Im 17. Jahrhundert wurde die Rabab von Nachkommen dieser Familie in Form und Spielweise modifiziert und es entstand das heute in Indien berühmte Saiteninstrument Sarod, dessen heutzutage hervorragender Interpret der indische Sarodvirtuose Ustad Amjad Ali Khan die Musiktradition seiner Familie an die siebte Generation der Bangesh Familie, seine Söhne Amaan Ali Khan und Ajaan Ali Khan weitergibt.

Anubhab Academy: Harmonium

Der englische Missionar Hopkins vermisste im Subkontinent die Kirchenorgel und entwickelte ein halbes Harmonium, das mit einem Blasebalg ausgestattet ist. Rechte Hand für die Taste, linke Hand für den Blasebalg. Harmoniumspieler sind meistens auch gute Sänger. Das indische Harmonium ist etwa koffergroß und heute auch in der hinduistischen und muslimischen Musikkultur nicht mehr wegzudenken.

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Ramesh Shotham spielt 2014 auf der Musikalischen Weltreise die Maultrommel.

Debasish: Tabla

Die Tabla, ein Trommel-Duo, hatte ursprünglich eine Schale mit zwei getrennten, gegenüberliegenden Klangkörpern. Später wurden sie voneinander getrennt. Die kleinere Trommel heißt Dayan, die größere Bayan. Das Trommelfell wird durch Spannung gestimmt. Auf beiden Fellen ist ein schwarzer Punkt, ohne den die Tabla klinge würde wie jede andere Trommel. Der Punkt hat mehrere tausend Schichten getrockneten Eisenstaub und Reismehl. Der gute Tabla-Wallah hört bei welcher Schicht der richtige Ton erzeugt wird. Die Tabla hat ein unglaubliches Klangspektrum, Debasish spielt auf ihr wie auf einem Klavier, mit allen 10 Fingern und den Handballen.

Deepy & Ginny: Dhol

Die Dhol ist eine beidseitig mit Fell bespannte zylindrische Trommel, die mit krummen Stöcken getrommelt unheimlich laut ist. Traditionell trommelt man damit auf indischen Dörfern die Bewohner zusammen um wichtige Neuigkeiten zu weiter zu verbreiten. Local promoten. In der poppigen Bollywoodmusik hat die Dhol einen neuen Platz gefunden und ist ein gern gesehenes live Element im indischen Club. Bei Kulturklüngels erster musikalischer Weltreise, der größten Stadtführung durch Köln mit 250 Gästen musste ein akustischer Reiseleiter die Richtung vorgeben: die Dhol!

Ginny arbeitet im kleinen indischen Konsulat in der Thieboldsgasse
Deepy ist Tourismusfachwirt. Und sie lieben es laut zu spielen!

Ramesh Shotham: Ghatam

Ein Tontopf, auf dessen Rand mit den Fingern laut getrommelt wird. Außerdem kann durch Schlagen auf den offenen Hals ein dumpfer Rhythmus erzeugt werden. Der Kölner Inder und World Music Koryphäe Ramesh Shotham hat mit dem deutschen Instrumentenbauer Meinl Percussion darauf aufbauend ein Instrument aus Fiberglas entwickelt. Über Ramesh Shotham müssen wir noch mehr erzählen…

TAMIL NADU / MUSIK / RAMESH SHOTHAM

CHENNAI (MADRAS) சென்னை

World Music Koryphäe

Ramesh Shotham wurde in Tamil Nadu, in Madras (Chennai) geboren. Seine Familie war aus dem Osten der englischen Kolonie, aus Burma zurückgekehrt in den Subkontinent. Sein Großvater war Ingenieur und er hatte den Auftrag mit dem Verlassen der Kolonie vor den einrückenden Japanern die Brücken zwischen den Gegnern und den Flüchtlingen zu zerbomben. Wie auch immer, Enkel Ramesh Shotham hat in Chennai eine klassische indische Musikausbildung gemacht. Als in den 70er Jahren die Münchner Krautrockgruppe „Embryo“ nach Indien kam, holte er sie auch für Konzerte nach Südindien. Die Band war für ihre Zeit ein Meilenstein zwischen Krautrock und World Musik, ein musikalisches Kollektiv mit einem Maler, der auf der Indienreise bei jeden Konzert neben der Bühne an seinem gigantischen Kunstwerk arbeitete. Als Embryo die Rückreise in den Westen antraten, mussten sie ihren Bus und die Transportjeeps in Tibet verkaufen und zurückfliegen. Der Krieg war in Afghanistan und im Iran losgegangen, der Rückweg abgeschnitten. Zurück in Deutschland entstand zu der LP „Embryos Reise“ der Kultfilm „Vagabundenkarawane“, der im deutschsprachigen Raum sehr viele Fans erreichte. Ramesh kam nach Deutschland und begleitete die Band über mehrere Jahre bei ihren Konzerten in den Kinos. Das war eine beispiellose Zeit, bis zu 400 Künstler zogen mit Embryo durch die Welt. Es folgten zahlreiche Konzertreisen durch den Orient, Asien und Afrika bis sich Embryo und „die Dissidenten“ trennten. Ramesh Shotham wurde „Artist in Residence“ der Uni Bayreuth und ist letztlich wie so viele tolle Menschen auch in Köln gelandet. Dem „Karnataka College of Percussion“ blieb er sein Leben lang verbunden. Er spielt in der WDR Big Band, mit seinem Projekt „Madras Special“ oder renommierten Namen wie Sigi Schwab. Sein Proberaum in der Kölner Südstadt hat 4 Räume und mehr als 100 Schlaginstrumente.

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„Vielleicht ist Bönig nur etwas reisemüde und ein geschickter Vermarkter der eigenen Idee. Aber er vertritt glaubhaft die Meinung,
man könne sich durch die Reise zu fremden Kulturen in der eigenen Stadt längere Reisen sparen.“
– Portal Mülheimer Freiheit –

Touren in Köln

Das indische Köln mit Vidya Banakar

Bei der interkulturellen Wanderung erfahren wir mehr über die Menschen, deren vielseitigen Religionen und Gebräuche, die Lieferzeiten der frischen Mangos, das Neueste aus Bollywood, den Gebrauch von Curry, Turban und Sari. Die aus dem südindischen Bundesstaat Karnataka stammende Vidya Banakar führt uns durch die Läden und Institutionen indischen Lebens in Köln. Die südindische Reiseleiterin kennt die Persönlichkeiten, gibt gerne Hilfestellungen bei Kochkunst und Sprachproblemen und scheut sich nicht, musikalische Beiträge an der Tampura zu begleiten. Ein Konzert der indische Musikakademie Anubhab rundet die kleine Indienreise ab.

Ethnofood: Indischer Kochkurs mit Vidya Banakar in Köln und Bonn

Sie sind längst Stammgast im indischen Restaurant ihres Vertrauens und wollen nicht länger nur passiv die exotischen Speisen genießen? Pakora mit Gruß aus der Küche, Chole, Jeera Reis, Dhal und weitere proteinhaltige raffinierte Gerichte zaubern wir auf den Tisch. Dabei zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Ihnen die leckersten indischen Gerichte auch in den eigenen vier Wänden gelingen. Am Ende wird das mehrgängige Mahl gemeinsam genossen.

Ethnofood: Kulinarische Weltreise deluxe mit Thomas Bönig

Die Esskultur ist in vielen Ländern der Welt wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens. Das soziale Leben findet rund ums Essen statt. Was könnte es daher besseres geben, als eine „kulinarische Weltreise“ um andere Sitten und Bräuche kennen zu lernen? Erforschen Sie die vielfältige Welt der exotischen Küchen in mindestens drei Gängen – Sie bringen lediglich Appetit und Experimentierfreude mit. Auf dieser Route vom Neumarkt in die Altstadt testen wir vietnamesische Klosterküche und aphrodisierende Nüsse aus Ghana, wir grillen und backen am Tandoori-Ofen selbst, und lernen bei einer Degustation erstaunliches über die Wirkung von mexikanischen Mezkal direkt aus dem Fass.

Auch bei Spezial-Touren kommen wir nach Indien: Radtour Interreligiös, Radtour Weltreise, Radtour Indien ( auf Anfrage). Bei der Weltreise in Köln und Bonn kommen wir natürlich zu den indischen Ecken und Viertel. Die akustischen Reiseleiter der Musikalische Weltreise sind Deepy und Genny, die indischen Dhol-Trommler.

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